Bis heute gibt es bei Dell keine Tablet-PCs - jene Computer mit den Abmessungen eines schlanken Notebooks, auf dessen Display sich schreiben läßt. Diese Entscheidung wurmte schon im August 2001 ein paar Angestellte eines der größten Computerhersteller der Welt, die daraufhin Motion Computing gründeten und sich seitdem auf nichts anderes als Tablet-PCs konzentrieren. Im Gegensatz zu den sogenannten "Convertibles" mit Tastatur sehen diese "Slates" wie ein Schreibblock oder eben wie die Schiefertafel aus, denn nichts anderes bedeutet Slate im Englischen. Mit seinem neuesten Modell M1400 wagt das in Nordamerika erfolgreiche Unternehmen den Sprung über den Atlantik, was dank geringen Gewichts von 1,55 Kilogramm und guter Leistung des M1400 nicht schwerfallen dürfte.
Mit einem 12,1-Zoll-Display, das sich aus Winkeln bis zu 170 Grad und somit von vielen Herumstehenden lesen läßt, zählt der M1400 zum ersten Tablet-PC der dritten Generation. Seine Mobilität beweisen Wireless LAN und Bluetooth, während er mit Firewire, 2 × USB in der flinken 2.0-Norm sowie Buchsen für externen Monitor, Mikrofon und Kopfhörer Anschlußstärke zeigt. Mit Zubehör wie der Docking-Station und einem externen Laufwerk für DVDs (Abspielen) sowie CDs (Abspielen und Brennen) ist er zum Desktop auszubauen. Doch schon die Basisversion enthält eine bemerkenswert knackige Tastatur plus Aufsteller, mit der er zum Notebook wird. Im Innern verrichtet ein Mobile Pentium M mit 1,1 Gigahertz getaktet akkuschonend seine Arbeit, wobei er von einer automatischen Helligkeitsadaption des Displays an das Umgebungslicht unterstützt wird. Hinter den beiden internen Mikrofonen steckt Software, die ihre Charakteristik wahlweise für ein Einzeldiktat, für die Tonaufzeichnung einer kleineren Besprechung und für Aufnahmen in einem Konferenzraum ausrichtet. Zuschaltbare Rausch- und Echounterdrückung verbessert den Klang, so daß Spracherkennungsprogramme nichts zu meckern finden sollten. Ein kleiner Fingersensor bietet zusätzlich zum Kennwort Zugangsschutz vor ungebetenen Langfingern.
Wir haben eine Woche lang die Version mit 20-Gigabyte-Festplatte - außerdem gibt es 40, 60 und 80 Gigabyte - unterm Arm gehabt und sie intensiv als tragbare Bibliothek, mobile Plattenkiste sowie als Moleskine-Ersatz für unser Krickelkrakel benutzt, mit dem freilich die Microsoft-Software ihre Leseprobleme hat. Unser Pastor hingegen scheint einen besseren Draht zu den noch unbenannten Göttern der Schrifterkennung zu haben: Mit seiner für uns unleserlichen Schrift hatte die Software keine Probleme.
Die Bedienung ist dank der fünf Tasten am rechten Bildrand übersichtlich, was deshalb wichtig ist, da man sich ohne Tastatur und ohne Maus anfänglich wie in Handschellen vor dem überzeugend entspiegelten und mit kratzfestem Glas versehenen Display fühlt, das beim Transport ein aufclipbarer Deckel schützt. Den billig wirkenden, aber wegen seines magnetischen Innenlebens zur Eingabe unentbehrlichen Plastestift nimmt eine Hand nur ungern zwischen die montblancgewohnten Finger. Ganz viel mehr zu kritteln allerdings gibt es an diesem Flachbuch nicht, das ein glattes Pfund leichter als ein Brockhaus-Band wiegt und doch weit mehr als alle 24 Enzyklopädiebände in ihrer elektronischen Form faßt. Gut - den Bildschirm hätten wir gern heller gesehen, aber das verringerte dann die Betriebsdauer von etwa vier Stunden (bei voller Helligkeit und einigem Blättern auf der Festplatte). Und man weiß erst nicht so recht, wie man dieses elegante und sich im Dauerbetrieb sanft erwärmende Gehäuse in der Hand hält, die hierzu gern einem haptischen Designwegweiser begegnet wäre.
Hinsichtlich Leistung, Design und praktischem Nutzen hat sich der M1400 als begehrenswertester aller Tablet-PCs gezeigt, die wir bisher im Arm wiegten. Im Vergleich zu anderen ist an ihm zu studieren, weshalb die schlagende Idee dieser etwas anderen Art von PC bislang nicht recht Fuß gefaßt hat: Es lohnte sich, auf den M1400 gewartet zu haben.
NILS SCHIFFHAUER
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